Ein Monat Bio und Unverpackt | Das Fazit

Ein Monat möglichst Bio und unverpackt einkaufen – mein Freund und ich waren neugierig und haben es im Rahmen einer kleinen Challenge getestet. Heute teile ich hier einen kleinen Erfahrungsbericht. Was ist gut gelaufen? War es teuer? Was hat für uns nicht funktioniert? Welche Tipps kann ich geben? All das erfährst du in diesem Beitrag.

Die Challenge

Sonntagabend, der 16. Februar 2020. Mein Freund und ich sitzen beim Abendessen und reden über alles Mögliche, bis wir auf das Thema Einkaufen kommen. Bisher haben wir es so geregelt, dass wir einkaufen wann immer wir gerade etwas brauchen. Möglichst ohne Verpackung versteht sich. Aber so einfach ist das gar nicht, wenn man Spontankäufe tätigt und „mal eben“ in den Supermarkt hüpft. Vor allem in Discountern findet man Obst und Gemüse oft nur in Plastik – ganz zu schweigen von Grundnahrungsmitteln wie Reis und Nudeln. Da werden dann natürlich schnell Kompromisse gemacht und man endet wieder mit einem beängstigenden Haufen an Müll.

Wer mir auf Instagram folgt der weiß, dass ich mich seit Ende 2018 mit dem Thema Nachhaltigkeit befasse. Bei mir ist das ein Prozess, der langsam aber stetig verläuft. Nach und nach stelle ich Bereiche meines Lebens um und es macht mir richtig Spaß! Gefühlt war es aber an der Zeit noch bewusster einzukaufen und dabei auch meinen Freund mitzunehmen – in einem 2-Personen-Haushalt bringt es wenig, wenn nur eine Person darauf achtet. Es müssen beide an einem Strang ziehen. Mein Freund und ich haben ein Gemeinschaftskonto, auf das wir jeden Monat gleich viel Geld überweisen und von dem wir Miete, Strom und Einkäufe bezahlen. Entscheidungen wie nur Bio und unverpackt zu kaufen müssen gemeinsam getroffen werden.

Wir sitzen also und ich mache einen Vorschlag: Lass uns für vier Wochen nur Bio und möglichst unverpackt einkaufen – danach gucken wir, wie wir es fanden und was das Konto sagt und sehen weiter. Mein Freund war direkt dabei. Die einzige Bedingung: ich muss ihm sagen wo er ab sofort einkaufen kann. Verständlicherweise hat er nach der Arbeit keine Lust, noch eine Stunde in der Gegend herumzufahren, zumal wir beide die Öffentlichen nutzen. Außerdem sind wir nicht dogmatisch, d.h. wenn sich etwas mal nicht vermeiden lässt, dann ist es eben so. Gesagt, getan. Die Bio und Unverpackt Challenge startet.

Die Challenge: Bio und Unverpackt

Unsere Motivation – warum das Ganze?

Warum wir die Challenge gestartet haben, habe ich oben ja schon angedeutet. Hier aber nochmal unsere Hauptgründe im Überblick:

  • Nachhaltiger und bewusster einkaufen: was landet eigentlich in unserem Einkaufskorb? Lässt sich die Häufigkeit unserer Einkäufe reduzieren, damit mehr Zeit für Anderes bleibt? Wo und wie können wir Verpackung vermeiden?
  • Challenges sind motivierend. Vor allem, wenn man sie ankündigt (könnte z.B. auch vor Familie und Freunden sein) fühlt man sich in der Pflicht, die Challenge auch durchzuziehen.
  • Neugier: ist es wirklich so viel teurer, nur Bio einzukaufen? In meinem Kopf habe ich immer eine explodierende Lebensmittelrechnung gesehen. Aber vielleicht ist das ja auch einfach ein Vorurteil?

Warum Bio?

Warum unverpackt sollte vermutlich jedem klar sein. Die Unmengen an Müll, die durch verpackte Lebensmittel entstehen, sind wirklich beängstigend. Aber Bio? Für mich hat das mehrere Gründe:

  1. In Bioläden ist das Obst und Gemüse oft auch unverpackt zu kaufen.
  2. Geringere Belastung durch Pestizide. Sie schaden nicht nur unserer Gesundheit (Langzeitauswirkungen sind noch nicht wirklich erforscht) sondern auch der Umwelt (Beispiel Bienen).
  3. Verzicht auf chemische Düngemittel, die im Grundwasser landen. Diese Düngemittel benötigen oft auch mehr Ressourcen bei der Produktion, Bio ist somit auch ressourcenschonender.
  4. Saisonaler: Dank der teilweise saftigen Preise überlegt man sich zweimal, ob die Erdbeeren Ende Februar wirklich sein müssen. Die saisonalen Produkten sind oft günstiger und so fällt die Entscheidung automatisch öfter auf saisonale Produkte.
  5. Regional: das trifft natürlich nicht immer zu. In Biomärkten gibt es aber oft mehr regionale Produkte als bei Discountern.
Unverpackt einkaufen

Planung und Umsetzung

Gesagt, getan. Als Erstes machen wir uns eine Einkaufsliste, was wir jede Woche brauchen. So wollen wir vermeiden, dass wir Spontankäufe tätigen müssen und unvorbereitet einkaufen gehen. Die Zeit zum Einkaufen wollen wir minimieren, nicht maximieren. Einmal alle zwei Wochen in den Unverpackt Laden und maximal zweimal pro Woche zum Bioladen – so der Plan. Außerdem suchen wir uns die Läden heraus, in denen wir in den nächsten vier Wochen einkaufen gehen und die bei uns in der Nähe sind oder auf dem Rückweg von der Arbeit liegen.

Mein Freund und ich haben außerdem eine geteilte Notiz auf unseren Handys, in der wir eine Einkaufsliste führen. So weiß jeder immer, was wir noch brauchen. Eine feste Zuteilung wer wann einkauft haben wir nicht. Es übernimmt, wer gerade mehr Luft hat.

Wir haben uns zu Anfang auch direkt überlegt, ob wir auf dem Markt einkaufen. Da unsere Wochenenden oft recht vollgepackt sind und bei mir jede Woche anders aussieht war uns aber klar, dass das etwas ist was wir wahrscheinlich nicht schaffen. Wir haben uns also direkt auf Biomärkte wie denns und BioCompany, dm und den Unverpackt Laden beschränkt. Dazu muss man sagen, dass wir einen Unverpackt Laden in Fußnähe haben, was uns die Challenge natürlich erleichtert.

Die richtigen Behältnisse

Das A und O beim unverpackten Einkaufen sind natürlich die Behältnisse, damit man die Lebensmittel auch nach Hause transportieren kann. Ich habe 2019 den Fehler gemacht, dass ich immer meine ganzen Vorratsgläser mitgeschleppt habe. Das geht natürlich noch einigermaßen wenn die Gläser leer sind, ist aber kein Spaß wenn man mit den befüllten Gläsern wieder nach Hause möchte oder mal einen größeren Einkauf tätigt. Wir nutzen deshalb für die meisten trockenen Lebensmittel Baumwollbeutel, die wir in verschiedenen Größen haben. Für Gemüse und Obst haben wir Gemüsenetze. Gewürze dürfen natürlich direkt ins Glas gefüllt werden, damit nichts in den Beuteln hängen bleibt – genauso wie der Sojajoghurt.

Unsere Erfahrungen während dem Experiment

„Irgendwie fühlt sich das gut an“ sagt mein Freund in der dritten Woche der Challenge. Und das kann ich nur bestätigen. Es fühlt sich gut an bewusster einzukaufen. Im Biomarkt Lebensmittel einzupacken, die umweltfreundlicher produziert werden. Im Unverpackt Laden den Baumwollbeutel unter die Reis-Station zu halten und für die nächsten zwei Wochen den Vorrat aufzustocken.

Vorratsgläser: Unverpackt einkaufen

Aber natürlich stoßen wir auch auf Herausforderungen. So ist zum Beispiel Tofu oft nur verpackt zu kaufen – den holen wir im Bioladen. Bei Sojajoghurt haben wir das Glück, dass unser Unverpackt Laden Sojajoghurt zum Abfüllen hat. Mit dem Satz „Einmal voll machen bitte“ füllen wir unser 600g Glas (das ursprünglich mal Dattelsirup beherbergt hat) auf. Das reicht etwa für eine Woche, da ich nicht jeden Tag Sojajoghurt esse.

Alles in allem war es bei folgenden Dingen eher schwierig, eine unverpackte Lösung zu finden:

  • Tofu
  • Vegane Ersatzprodukte wie Käse
  • Milchalternativen
  • passierte Tomaten& Tomatenmark
  • Kokosmilch

Außerdem waren auch wir nicht perfekt. Beispielsweise hatten wir eine Woche keine Zeit, zum Unverpackt Laden zu gehen – da gab es dann doch Sojajoghurt aus der Verpackung. Auch ein paar Gläser Kichererbsen haben ihren Weg in den Einkaufskorb gefunden und auf der VeggieWorld habe ich einige Produkte zum Testen mitgenommen.

Was der Geldbeutel zu unserem Experiment sagt

Eine Frage die mich, und wahrscheinlich auch dich, brennend interessiert. Dafür habe ich mir die Ausgaben von uns in einem „normalen“ Monat angesehen und mit den Ausgaben während unserer Bio und Unverpackt Challenge verglichen. Nicht mit eingerechnet sind die Kosten für Essen gehen und Café Besuche, außerdem isst mein Freund unter der Woche immer auf der Arbeit, d.h. da verbraucht er nichts von den gekauften Lebensmitteln. Auch ich esse ab und an mittags auswärts.

In den vier Wochen vor der Challenge haben wir für Lebensmittel ca. 210€ ausgegeben. Während der vier Wochen der Challenge haben wir etwa 260€ ausgegeben (das beinhaltet ca. 20€ für Walnüsse, da mein Freund den Umgang mit Unverpackt Läden noch etwas üben muss :D). Verrückt, oder? Das heißt dass es für uns, zumindest auf diese beiden Zeiträume gesehen, 50€ Unterschied gemacht hat. Wir haben damit etwa 65€ pro Woche (d.h. 32,5€ pro Person) für unsere Einkäufe ausgegeben.

Fazit

Das Fazit kommt nach dem Artikel wahrscheinlich nicht überraschend: wir werden auch in Zukunft weiterhin möglichst Bio und Unverpackt einkaufen. Das Geld, was wir dort mehr ausgeben, ist für uns gut investiert – für die Gesundheit, die Umwelt und den Geschmack.

Allerdings ist hier unser Ansatz weiterhin nicht dogmatisch. Wenn es sich einmal absolut nicht vermeiden lässt oder doch mal die Kichererbsen im Glas eingekauft werden, ist das für uns kein Weltuntergang. Trotzdem haben wir durch einige neue Angewohnheiten (wie oben beschrieben) sowohl unsere Zeit für Einkäufe, als auch Verpackungsmüll minimiert. Das möchten wir fortsetzen und uns in dieser Hinsicht auch weiterentwickeln.

Tipps – Bio und Unverpackt

Abschließend möchte ich noch einige Tipps teilen, die es vielleicht ein bisschen einfacher machen, mehr Bio und Unverpackt zu kaufen. Es muss ja auch kein „Ganz oder gar nicht“ Ansatz sein – meiner Meinung nach zählt jeder Schritt in die richtige Richtung.

  • Planen: um sich Aufwand und Zeit zu sparen lohnt sich eine Einkaufsliste. 80% der Einkaufsliste sieht sowieso jede Woche gleich aus, den Rest kann man dann nach Bedarf ergänzen.
  • Baumwollbeutel in verschiedenen Größen: gibt es zum Beispiel im Unverpackt Laden (es ist immer schön, solche Läden mit einem Kauf zu unterstützen) – zur Not auch online. Auch Tupperdosen, die man sowieso schon zuhause hat, eignen sich.
  • Gläser sammeln: Um die Lebensmittel aufzubewahren, braucht man natürlich ausreichend Vorratsgläser. Ich sammle dafür Gläser von aufgebrauchten Lebensmitteln. Besonders gut eigenen sich die Gläser von Nussmus, Aufstrichen, Apfelmus und Essiggurken.
  • Auf Angebote achten: nichts Neues, aber gerade im Bioladen lohnt es sich ab und an mal auf Angebote zu achten. Vielleicht probiert man dadurch auch einfach mal eine neue Gemüsesorte aus?
  • Hülsenfrüchte selbst abkochen: wer Verpackung sparen will sollte überlegen Hülsenfrüchte wie Kichererbsen und Bohnen selbst abzukochen. Einfach über Nacht einweichen und beim Kochen etwas Natron Hinzufügen, das beschleunigt die Kochzeit.
  • Mehr Selbermachen: wir backen mittlerweile zum Beispiel jede Woche Brot (Lieblingsrezept) und ziehen unsere Sprossen selbst. Wenn es mal Hummus geben soll, dann wird er zum Beispiel aus selbstgekochten Kichererbsen gemacht.
  • Mealprep: auch immer hilfreich ist, abends etwas mehr Vorzukochen damit man am nächsten Tag etwas zum Mittagessen mit auf die Arbeit nehmen kann. Anstatt sich einen Fertigsalat in Plastik zu kaufen kann man so vielleicht eine leckere Reispfanne oder Kichererbsensalat genießen.
  • Falls kein Unverpackt Laden in der Nähe ist: entweder gut planen und beim Laden direkt für 3-4 Wochen einkaufen oder versuchen, auf Großpackungen bei Reis, etc. zurückzugreifen. Das spart meist etwas Verpackung.
  • Kokosmilch: wir brauchen Kokosmilch ab und an für Curries und um Soßen zu verfeinern. Eine Möglichkeit, Kokosmilch zu ersetzen ist Kokosmus. Eine Dose lässt sich durch 4 EL Kokosmus und etwa 100ml Wasser ersetzen. Allerdings haben das nicht viele Unverpackt Läden und so müsste man auf Glas zurückgreifen, was im Vergleich zu Dosen nicht unbedingt nachhaltiger ist (das ist ein sehr großes Thema, was den Rahmen hier sprengen würde).
  • (Leitungs-)Wasser: wir trinken zuhause Leitungswasser, haben allerdings einen Filter eingebaut. Generell hat das Leitungswasser in Deutschland eine recht gute Qualität, weshalb es nicht nötig ist Wasser in Plastikflaschen nach Hause zu transportieren (Glas ist natürlich eine Option aber sehr schwer). Ideal sind Filtersysteme. Gerade, wenn man plant länger in einer Wohnung/ Haus zu wohnen, kann sich diese Investition wirklich lohnen.
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Simone

Vielen lieben Dank für deinen tollen und inspirierenden Artikel!<3
Welche Filteranlage benutzt ihr denn?

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