Ich mache eine Yoga Lehrer Ausbildung! | Teil II – Meine Erfahrungen

In diesem Beitrag berichte ich über meine Erfahrungen der 200 Stunden Yoga Lehrer Ausbildung auf Bali. Du findest hier einen Rückblick, mein Fazit zum Training, ob ich meine Yoga Schule weiterempfehlen würde, wie Bali als Ausbildungsort für mich war und was du beim Visumfür Bali beachten solltest.

Woche 1 – Alignment, Alignment, Alignment

Ich sitze in einem Café und lasse die letzte Woche Revue passieren. Kaum zu glauben, wie schnell die erste Etappe meines Trainings verflogen ist. Wir haben gelacht, geweint, gelernt, getanzt und genossen. Aber von Anfang an: ich bin am Samstag, den 3. August in Bali gelandet. Am Sonntag (04.08.) konnte ich dann in die Unterkunft, in der wir während dem Training untergebracht sind (Ananda Cottages in Ubud). Auf dem Gelände der Ananda Cottages findet alles statt, denn dort ist auch ein Yoga Shala, in dem wir unterrichtet werden.

Ich mache meine Ausbildung mit Yoga East+West, ingesamt ist es ein 200 Stunden – Training. Meine Gruppe ist recht groß denn wir sind zusammen 29 Teilnehmer, darunter 28 Frauen und nur ein Mann. Dazu haben wir vier Lehrer, die uns in den verschiedenen Bereichen des Yoga unterrichten. Drei der Lehrer sind aus Indien: Deep (Yoga Asanas und Theorie), Swami Atma (Meditation) und Vijeth (Yoga Philosophie). Dazu unterrichtet uns Amiro in Anatomie.

Der Tagesablauf

Unser Training geht von Montag bis Samstag. Samstagnachmittag und Sonntag ist frei. Der Tag beginnt um kurz vor 6 Uhr, um 6.30 Uhr stehe ich bereits im Yoga Shala und mache zusammen mit den Anderen meine Aufwärmübungen. Der Unterricht beginnt um 7 Uhr. Anders als man vielleicht erwarten mag (und wie es vielleicht bei vielen Trainings ist) starten wir den Tag nicht mit zwei Stunden Yoga. Stattdessen lernen wir erst einmal Tadasana (der Berg, eine Yoga Pose) in aller Ausführlichkeit. Alignment, oder wie man es in Deutsch sagen würde, Ausrichtung in Tadasana ist die Basis für alle anderen Yoga Posen (Ananas). Besonders der Rücken und die Gelenke können dadurch langfristig geschützt werden. Mir war nie klar, wie wichtig das für den Körper ist und wie leicht man sich mit der falschen Ausrichtung verletzen kann.

Neben der Theorie lernen wir mehr über die Geschichte von Yoga und Yoga Philosophie. Für mich einer der spannendsten Teile, denn Yoga ist sehr holistisch im Ansatz. Es geht um viel mehr als nur die Praxis auf der Matte. Es ist eine Art zu leben, keine Sportart. Nachmittags lernen wir den Körper in Anatomie genauer kennen, wie er funktioniert und welche Muskeln, Knochen, Bänder und Sehnen wir haben. Besonders gefällt mir, dass wir zwischen zwei Unterrichtseinheiten ab und zu kleine Tanzpausen einlegen. Tanzen und Lachen löst Glücksgefühle aus und lockert die Stimmung angenehm auf! Auf Anatomie folgt eine Wiederholungsstunde des am Tag Gelernten und nach einer Pause haben wir bei Swami Atma Meditation. Anders als erwartet meditieren wir nicht die ganze Zeit in Meditation, Swami erzählt uns ab und zu auch eine Geschichte (mit Moral natürlich) oder zeigt uns verschiedene Arten der Meditation.

Generell sind die Tage lang und intensiv, aber es macht Spaß. Über das Essen kann man auch nicht klagen, veganes Essen zu jeder Mahlzeit ist inklusive und schmeckt wirklich gut. Mein Highlight: Tempeh. In Bali ist er sehr üblich und wird unglaublich lecker zubereitet. Es gibt ihn sogar schon beim Frühstück 😀

Woche 2 – Es wird anstrengend…

In der zweiten Woche erwischt uns leider irgendetwas – nach und nach wird jeder krank und muss einen Tag im Bett verbringen. Ob typischer Bali Belly oder nicht kann ich nicht sagen, nur dass es fast jeden von uns erwischt hat, inklusive mir. Das drückt die Stimmung verständlicherweise etwas. Wir lernen aber dennoch weiter und unsere Lehrer nehmen Rücksicht auf die Situation. Auch Emotionen kommen bei vielen von uns an die Oberfläche. Oft werden sie in bestimmten Bereichen unseres Körpers gelagert und zeigen sich dann plötzlich mit bestimmten Posen. Ich selbst hatte zum Beispiel einmal nach einem Kopfstand die Situation.

Inzwischen lernen wir auch nicht nur Tadasana sondern nehmen jede einzelne Asana unter die Lupe. Wie muss sie ausgeführt werden? Welche Anweisungen gebe ich als Lehrer? Wie überprüfe ich meinen Schüler? Zwischendurch gehen wir auch auf verschiedene Atemtechniken ein, die genauso wie die körperliche Praxis und Meditation Teil von Yoga sind. Außerdem lernen wir, wie man eine Yoga Stunde aufbaut und sequenziert. Es wird nämlich nicht einfach zusammengewürfelt, sondern das Ganze geht nach bestimmten Regeln und Prinzipien. Super spannend, denn das bildet die Grundlage für das Unterrichten und das kreieren von eigenen Yoga Flows.

Woche 3 – Die Energie ist zurück!

Nachdem die zweite Woche etwas schleppend war, ist in der dritten Woche die Energie wieder zurück. Jetzt machen wir auch einen Yoga Flow am Morgen, da nun die ganze Theorie sitzt und das Alignment verinnerlicht ist. Zudem stehen diese Woche die Prüfungen an. Diese sieht so aus, dass wir in Gruppen eine Yoga Stunde gestalten und durchführen. Dazu wenden wir unser angeeignetes Wissen über die einzelnen Asanas und die Sequenzierung an.

Zusätzlich muss jeder eine eigene 60 Minuten – Yoga Stunde gestalten und schriftlich festhalten. Einen schriftlichen Test im klassischen Sinne gibt es nicht, auch nicht in Anatomie. Ich bin mir nicht sicher inwieweit das in anderen Trainings ähnlich ist, so war es jedenfalls bei mir.

Während der Prüfung unterrichtet jeder in der Gruppe einen Teil der Yoga Stunde, die wir zusammen gestaltet haben. Die anderen korrigieren die Teilnehmer die den Flow mitmachen um sicherzustellen, dass die Posen richtig ausgeführt werden. Für mich persönlich war gerade die Erfahrung des Unterrichtens unglaublich toll – ich bin total darin aufgegangen und es hat mir richtig Spaß gemacht. Klar ist noch etwas Nervosität da, das wird sich aber bestimmt mit der Zeit legen.

Mein Fazit – War die Ausbildung ein Erfolg?

Im Großen und Ganzen: ja! Das Ganze ist alles andere als günstig, vor allem in Bali. Aber ich bin sehr dankbar, mich für die Ausbildung entschieden zu haben und sehe es als Investition in mich selbst. Durch das Training habe ich entdeckt, dass ich tatsächlich gerne unterrichten würde und Yoga nicht nur für mich selbst praktizieren will. Ich möchte meine Leidenschaft mit anderen teilen und einen Zugang dazu erleichtern.

Außerdem hat die Ausbildung meine persönliche Praxis sehr bereichert. Mein Notizbuch ist voll von Erkenntnissen. Meine Haltung in den Asanas hat sich deutlich verbessert. Ich war vor dem Training sehr auf die Yoga-Praxis und Meditation beschränkt, das hat sich jetzt unter Anderem durch Atemtechniken (Pranayama, z.B. Kapalbhati oder Bhastrika) erweitert. Ich habe durch Yoga Philosophie auch das Gefühl, ein holistischeres Verständnis für Yoga zu haben.

Yoga East+West – empfehlenswert?

Ich bin froh, die Ausbildung mit East+West gemacht zu haben. Ich denke, dass gerade der Fokus auf Alignment und die Lehrer aus Indien das Training zu einem Besonderen machen. Außerdem waren die Lehrer super lieb und nahbar. Falls du dir überlegst, eine Ausbildung mit East+West zu machen, hier eine kleine Entscheidungshilfe:

Das spricht dafür:

  • Ursprünglich – die Lehrer haben in Indien bei ihren Mastern gelernt und man merkt einfach, dass es kein typisches „westliches“ Training ist
  • Alignment – Fokus auf die richtige Ausführung und die Grundlagen, anstatt fancy Posen zu erlernen.
  • Locker& humorvoll – alles wird mit viel Humor genommen und keiner nimmt sich selbst zu ernst. Tanzen und Lachen sind keine Seltenheit 😉
  • Spirituell aber nicht religiös
  • Wenig Erfahrung benötigt

Das spricht dagegen:

  • Am Anfang keine Flows – wer kommt, um jeden Morgen intensiv zu praktizieren, ist hier am falschen Ort
  • Die Eröffnungszeremonie hätte etwas besser geplant sein können
  • Recht große Gruppe – ich hatte aber trotzdem nicht das Gefühl, zu kurz zu kommen
  • „kurzes Training“ – das Training ging nur 21 Tage, das kann für manche aber auch ein Vorteil sein

Bali als Ausbildungsort?

Man muss nicht so weit fliegen, um ein gutes Yoga Teacher Training zu machen (umweltfreundlich ist das überhaupt nicht, das ist mir bewusst). Da Bali so beliebt ist, sind die Preise für das Training auch deutlich höher als z.B. in Spanien oder Indien. Ich wollte aber unbedingt einmal in meinem Leben nach Bali und hab das dann einfach verbunden.

Ubud oder Canggu?

Bei der Frage, wo genau auf Bali man die Ausbildung machen möchte, kommt es ganz auf die persönlichen Präferenzen an. Meine Ausbildung war in Ubud, das liegt mehr im Inneren der Insel und die Stadt ist sehr spirituell und balinesisch (Touristen sind aber trotzdem überall). Canggu liegt an der Südküste von Bali und damit am Wasser. Der Vibe ist ein ganz anderer als in Ubud, weniger ursprünglich aber dafür sehr entspannt und man fühlt deutlich den Surfer-Vibe.

Zum Klima: ich hatte Glück, denn August gehört nicht zur Regenzeit und es hat dementsprechend nur ein einziges Mal geregnet. Außerdem war die Temperatur sehr angenehm, es hatte immer um die 25-28 Grad und die Luftfeuchtigkeit war relativ gering.

Visum für Bali

Falls für dich nur ein Training auf Bali in Frage kommt, solltest du dich kurz mit dem Thema Visum beschäftigen. Generell reicht ein 30 Tage Visum aus, um ein 200 Stunden Training zu absolvieren. Wichtig ist beim Visum, dass der Tag der Einreise schon als erster Tag des Visums gilt. Wenn du nicht vor hast länger als 30 Tage zu bleiben, kannst du dir bei der Einreise einfach ein Visum geben lassen. Es ist kostenlos aber nicht veränderbar, d.h. du musst am 30. Tag auf jeden Fall ausreisen.

Visa on Arrival

Wenn du dir die Option offen lassen möchtest zu verlängern, dann kommt für dich das „Visa On Arrival (VOA)“ in Frage. Es gilt ebenfalls für 30 Tage, kann aber auf 60 Tage verlängert werden. Um das VOA zu bekommen, musst du dich im Vorhinein um nichts kümmern. Wenn du auf Bali landest ist es aber wichtig, dass du, bevor du durch die Passkontrolle gehst, ein VOA kaufst (bei mir 500.000 IDR). Das ist groß ausgeschrieben und du kannst es nicht verfehlen, wenn du darauf achtest. Der Nachteil ist, dass du dich nun um die Verlängerung kümmern musst.

Dazu hast du zwei Optionen: entweder du kümmerst dich selbst, dazu musst du aber drei Mal zum Immigration Office in Denpasar. Einfacher ist die zweite Variante, bei der du eine Agentur zu Verlängerung beauftragst und dann nur einmal zum Immigration Office musst (es werden nur kurz Fingerabdrücke genommen und ein Bild gemacht). Du musst zwar die Agentur bezahlen (ich habe ca. 750.000 IDR bezahlt + 100.000 IDR für die Fahrt), dafür ersparst du dir aber zwei Fahrten zum Office und den Papierkram. Egal für welche Variante du dich entscheidest, du solltest den Prozess rechtzeitig beginnen, da es um die zwei Wochen dauern kann, bis du deinen Pass zurück hast.

Aus Unwissen habe ich die Variante mit dem VOA gewählt, obwohl ich schon lange im Voraus wusste, dass ich länger als 30 Tage auf Bali bleibe. Bei mir hat zwar mit Agentur alles gut geklappt, im Nachhinein bin ich aber schlauer und weiß, dass es eine weitere Option gibt. Man kann sich in Deutschland bei der Botschaft ein 60 Tage – Visum beantragen (ca. 50€). Damit spart man sich den Stress mit der Verlängerung und muss auch kein VOA kaufen. Wie genau das läuft, liest du am Besten online nach.

Noch Fragen?

Falls jetzt noch Fragen offen sind, dann guck gerne in meinen anderen Beiträgen zum Teacher Training nach. In Teil I findest du heraus, wie du dein Teacher Training auswählen kannst. In Teil III beantworte ich die am häufigsten gestellten Fragen. Solltest du danach immer noch keine Antwort auf deine Frage haben, stelle sie gerne in den Kommentaren!

*Transparenzhinweis: ich habe die Ausbildung bei Yoga East+West selbst bezahlt und lediglich einen kleinen Rabatt bekommen. Dieser Beitrag gibt meine persönliche Meinung unbeeinflusst wieder.

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